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Aufruf Kirchenwahl

Aufruf zu den Kirchenwahlen 2019

Für weltoffene Evangelische Landeskirchen in Baden und Württemberg!

Die aktuelle politische Situation in Deutschland gibt uns Anlass zur Sorge. Wir stellen einen Rechtsruck in allen gesellschaftlichen Bereichen fest, der sich in einer Verrohung der Sprache und des gesellschaftlichen Miteinanders niederschlägt. Wir erleben eine Zunahme an rassistischen, sexistischen und antisemitischen Äußerungen, Übergriffen und Ausschreitungen – auch in unserer Region und Landeskirche.

Die AfD, der es um eine gesamtgesellschaftliche Werteverschiebung hin zu mehr Ausgrenzung und Nationalismus geht, ist mittlerweile in allen deutschen Landtagen vertreten. Wir befürchten, dass rechte Kräfte auch die anstehenden Kirchengemeinderats- und Synodalwahlen nutzen werden, um diese Themen in den Kirchgemeinden zu verankern. Der Ausschluss von AfD-Politiker*innen von den Podien des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dortmund sowie die Beschreibung einer Unvereinbarkeit von AfD-Parteiprogramm und evangelischem Glauben durch den Berliner Landesbischof Markus Dröge zeigen, dass innerhalb aller Kontexte von Kirche Verantwortung besteht, sich gegen menschenverachtende Ideologien zu positionieren. In diesem Sinne begrüßen wir die klare Positionierung der Badischen Landessynode, dass Personen, die „offenkundig diskriminierende, die Menschenwürde verletzende Äußerungen tätigen“, sich für kirchliche Wahlämter disqualifizieren.

Wir verstehen Kirche als einen Ort und eine Gemeinschaft, die im Verständnis nach Gal 3,28 darauf bedacht ist, menschliche Grenzlinien zu überwinden und jeden Menschen als vor Gott gleich wahrnimmt. Kirche in der Nachfolge Jesu Christi tritt gesellschaftlichen Hierarchien und Marginalisierungen entgegen. Jesus wandte sich den Menschen zu, von denen sich rechte Kräfte heute abwenden. Kirche soll ein Ort der Offenheit und Vielfalt bleiben und werden.

Darum ermutigen wir alle Menschen im Bereich der Landeskirchen, die Kirchenwahlen am 1. Dezember 2019 als Chance zu begreifen, für eine weltoffene und plurale Kirche einzutreten. Die Wahlen der Kirchengemeinderäte und der Synode sind eine Möglichkeit, dieser Position Gewicht zu verleihen. Sprechen Sie Menschen an, die sich in einem Wahlamt dafür einsetzen können, dass Kirche unterschiedlichen Menschen Raum gibt und nicht einem Ungeist der Abgrenzung folgt. Lassen Sie nicht zu, dass Ämter in der Kirche von Menschen bekleidet werden, die undemokratisches und unsolidarisches Verhalten in Kirche und Gesellschaft vorantreiben. Wir möchten ausdrücklich niemanden aus dem Raum der Kirche ausschließen. Uns geht es vielmehr darum, inhaltliche Diffamierung von Menschen und Konsequenzen daraus wie Ausgrenzung und Gewalt zu verhindern.

Für uns verlangt Nächstenliebe Klarheit: Klarheit für eine Kirche, die für Unterdrückte und gesellschaftlich Marginalisierte einsteht und diesem Auftrag auch kirchenpolitisch Rechnung trägt.

**ihre Unterschrift**